Sinnfragen – der Weg zur Selbstfindung
Was für Fragen stellen sich, wenn wir anfangen, über den Sinn des Lebens nachzudenken? Wir haben hier Antworten auf fünf Fragen versucht, die uns naheliegend erscheinen. Aber du hast vielleicht ganz andere Ansichten zu diesen Fragen? Oder ganz andere Sinnfragen? Teile uns mit, was dich beschäftigt. Wenn dein Beitrag oder deine Frage auch für andere interessant ist und du einverstanden bist, findest du ihn bald in unserem Forum.

Was interessiert dich?
- Warum spielt in allen Weltreligionen und Lebensphilosophien die rechte Lebensführung und die Ausübung von Tugenden eine so zentrale Rolle?
- Gibt es einen Wegweiser im Leben, auf den ich mich verlassen kann?
- Was ist das Besondere an der theosophischen Sicht der Welt?
- Können Fehler und „Sünden“ tatsächlich ausgelöscht oder getilgt werden?
- Kann ich wirklich sicher sein, dass ich wiedergeboren werde?
Warum spielen in allen Weltreligionen und Lebensphilosophien die rechte Lebensführung und die Ausübung von Tugenden eine so zentrale Rolle?
In vergangenen Jahrzehnten konnte man den Eindruck gewinnen, die vorherrschende Meinung messe den Wert eines Lebens am Besitz materieller Güter, an der beruflichen Position oder an der gelungenen Umsetzung persönlicher Ziele. Dies sei am ehesten mit egoistischen Mitteln zu erreichen, verlange Ellenbogendenken und müsse mit Stress und einer rastlosen Lebensführung erkauft werden. Große Teile der jüngeren Generation hingegen kritisieren diese Haltung als Vergeudung von Lebenszeit und fordern eine bessere „Work-Life-Balance“. Auch wenn diese Kritik durchaus Hand und Fuß hat, fällt doch auf, dass sich die Lebensziele in den beiden Lagern gar nicht so sehr unterscheiden: Ganz wie ihre Eltern streben auch die Jüngeren den bestmöglichen Lohn, die Umsetzung eigener Ziele und eine berufliche Karriere an.
Sind Tugenden unzeitgemäße und konservative Begriffe, die heute ihre Bedeutung verloren haben? Engen sie unser Handeln unangebracht ein? Behindern sie unsere freie Entfaltung? Oder gibt es auch heute noch gute Gründe für eine ethische Grundhaltung und die Umsetzung von Tugenden?
Die großen Religionen und Philosophien sehen in der Lebensgestaltung und den Lebenszielen keine Frage der Quantität, des Mehr oder Weniger, sondern der Qualität. Ein wirklich sinnerfülltes Leben, gleich welcher Tätigkeit wir nachgehen, gehe immer Hand in Hand mit einem tugendhaften Lebenswandel und einer gleichmütigen und ausgeglichenen Grundhaltung.

Konfuzius (551-479 v. Chr.)
Wahrer der Tradition und
Lehrer der Tugend
So beschreibt der chinesische Klassiker Li Gi, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert die überlieferten Weisheitslehren der Chinesen in der Tradition des Konfuzius zusammenfasste, das Ideal des „edlen Menschen“: „Der Edle kämpft gegen sein Böses, er sucht seine Fehler, er gibt sich Mühe in den Dingen, die er noch nicht kann, er entfernt selbstsüchtige Triebe und geht an seine Arbeit, wo die Pflicht ruft.“ [Li Gi, S. 132] Zur Gemeinschaft der Edlen zählte, wer ehrlich bestrebt war, seine weniger vorteilhaften Veranlagungen zu überwinden und sich dem Ideal des vollständigen Menschentums zu nähern. Es wurde nicht vorausgesetzt, dass das Ideal gleich erreicht wurde, entscheidend war, dass es angestrebt wurde. Zum Weg heißt es: „Der Zustand, da Hoffnung und Zorn, Trauer und Freude sich noch nicht regen, heißt die Mitte. Der Zustand, da sie sich äußern, aber in allem den rechten Rhythmus treffen, heißt Harmonie. Die Mitte ist die große Wurzel aller Wesen auf Erden, die Harmonie ist der zum Ziel führende Weg auf Erden.“ [Li Gi, S. 27] Jeder war dazu aufgerufen, den Weg zu gehen, so weit er dazu in der Lage war. [Quelle: Li Gi – Das Buch der Riten, Sitten und Bräuche. Übersetzt von Richard Wilhelm. München 1997]
Der Weg der Harmonie orientiert sich in der Praxis an ethischen Idealen und der Verwirklichung von Tugenden und vermeidet emotionale Extreme. Er folgt Zielen, Motiven und Interessen, die einem friedlichen, harmonischen Miteinander nicht entgegenstehen – einem Miteinander, das über unsere Liebsten und Nächsten weit hinausgeht!
Wenn wir uns auf einen solchen Weg einlassen und unser Handeln das eine oder andere Mal nach ihm richten, wächst in uns nach und nach so etwas wie ein ethischer Kompass, ein Gespür, das unserem Denken und Handeln eine Richtung anbietet. Je mehr wir so mit dem Herzen denken lernen, desto leichter wird uns Kontinuität im Denken und Fühlen fallen und desto öfter können wir unsere ethischen Vorstellungen in praktisches Handeln umsetzen.
Gibt es einen Grund dafür, auf greifbare Vorteile zu verzichten, die uns auf diesem Weg entgehen? Ja, denn die Orientierung an Tugenden und ethischen Konzepten sorgt für Beständigkeit, Struktur und Klarheit in unserem Leben.
Gibt es einen Wegweiser in meinem Leben, auf den ich mich verlassen kann?
Im Leben geraten wir immer wieder in Situationen, die uns vor die Wahl stellen: ja oder nein, rechts oder links, Wagnis oder Sicherheit, lieber für mich oder für andere? Wer hätte da nicht gern eine Person oder eine Instanz, die ihm zuverlässig mitteilt, welche Wahl die richtige ist!
Nach Ansicht der Theosophie gibt es in dieser Hinsicht tatsächlich eine Art Instanz, doch nicht außerhalb von uns, sondern in uns selbst. Wir könnten ihren Einfluss deutlicher erkennen, wenn unser Denken nicht beständig auf unsere alltäglichen Sorgen, Ängste und Beschäftigungen gerichtet wäre. Daher ist es hilfreich, von Zeit zu Zeit in sich zu hören und die Alltagsgedanken zum Schweigen zu bringen, gewissermaßen Gedankenballast abzuwerfen. Wer dies übt, kann mit zunehmender Erfahrung in sich eine Gedankenstille erreichen, in die die innere Stimme dieser Instanz durchdringen kann.
Woher kommt diese Stimme? Als Menschen sind wir unvollkommen, doch im theosophischen Menschenbild ist jeder von uns ein Abkömmling des Universums und daher im tiefsten Herzen, in der Essenz, ein Strahl oder ein lebendiger Funke des kosmischen Bewusstseins. Diese grundlegende intelligente und spirituelle Energie, so wird gelehrt, bildet in jedem von uns das höhere Selbst, das uns überschattet und ein Leben lang begleitet, in jeder Situation, in Glück und Unglück. Von ihm geht die innere Stimme, die innere Inspiration aus, die uns ein Wegweiser in allen schwierigen Situationen sein kann. Dieses Wesen ist nicht das, was christliche Denker unter „Gott“ verstehen, es kann aber in Analogie als innere Göttlichkeit bezeichnet werden.
Es ist ganz offensichtlich, dass wir nicht immer im Einklang mit unserem Innersten handeln. Unser menschliches Bewusstsein ist zwar aus ihm hervorgegangen, ist aber in der gegenwärtigen Entwicklungsphase, in der wir gerade erst lernen, zu denken und unseren Willen einzusetzen, vor allem in dem mittleren Teil unserer inneren Natur konzentriert und in den höheren Aspekten noch wenig aktiv. Der höhere Bewusstseins-Funke wirkt jedoch beständig in uns, ist aktiv und schläft nie. Seine Lebensströme nehmen wir mitunter als eine sanfte innere Stimme wahr, die uns zurückhaltend nahelegt, etwas zu tun oder zu unterlassen.
Diese Stimme ermutigt uns, Ruhe und Frieden zu bewahren, mit Gleichmut zu hoffen oder in Gleichmut zu dulden und selbstsüchtige Impulse zu ignorieren. Sie lässt uns fühlen, dass der richtige Weg nicht mit dem Kopf durch die Wand führt. Sie regt Sympathie, Mitfühlen und Verstehen an, lässt uns erkennen, dass Geduld aus einer Haltung des Wohlwollens erwächst, das eine hohe Tugend und ein Schlüssel zur Lösung von Problemen ist. Sie führt uns vor Augen, dass die wahren Werte des Lebens immateriell und beständig sind und stets dem Guten in der Welt dienen.
Wir können diese Stimme hören, als wäre es die Stimme eines anderen in uns oder als käme sie wie ein heller Lichtstrahl oder als eine Eingebung zu uns – und doch ist es unsere eigene Stimme! Wer sie auch nur einmal vernommen hat, weiß, wie vertraut sie klingt, wie wohltuend und warm sie ist und wie sie uns in Sekundenschnelle erkennen lässt, was Recht und Unrecht ist, wo Gefahr droht oder was uns hilft. Sie ist nicht Produkt unseres Verstandes; sie ist spontane Intuition, erkennende klare Vision oder höhere spirituelle Weisheit und Wahrnehmung.
Aber nehmen wir sie uns zu Herzen? Wollen wir uns tatsächlich auf sie als unseren Wegweiser verlassen? Die Erfahrung zeigt, dass wir in vielen Fällen die Konsequenzen scheuen, die uns drohen könnten, wenn wir auf sie statt auf die irdischen und persönlichen Interessen vertrauen, die mit ihr nicht immer leicht zu vereinbaren sind. Hier muss jeder seine eigene Entscheidung treffen, und die innere Stimme lässt uns gewähren. Wenn wir sie aber wiederholt ignorieren, geschieht es schnell, dass wir sie gar nicht mehr bewusst hören. Nicht, weil ihre Quelle versiegen würde oder weil sie sich von uns abwenden würde, nein, weil wir sie verdrängen, aus unserem Lebensfeld verbannen, um ungestört unseren vermeintlich wahren, doch letztendlich egoistischen Interessen zu folgen. Dass dies heute der Normalfall ist, ist ein großer Verlust. Denn mit mehr ethischer Führung könnte unsere Welt heute weit weniger von Unfrieden und Konkurrenzdenken erfüllt sein.
Doch umgekehrt stimmt auch: Je öfter wir auf diese innere Stimme hören, um so deutlicher vernehmen wir ihren Ruf. Sie wird uns zu einem Freund. Wenn wir dann erfahren, wie gut ihre Inspiration tut, werden wir sie zu unserem ständigen Ratgeber machen wollen und unser Leben nach ihr ausrichten. So gewinnt es an Wert und bekommt einen tieferen Sinn.
Was ist das Besondere an der theosophischen Sicht der Welt?
Wer sich intensiv mit dem Wissen der Theosophie auseinandersetzt, wird nicht verhindern können, dass er die Welt bald mit anderen Augen sieht. Wo er vorher vor allem die Oberfläche wahrnahm, sieht er jetzt mehr und mehr Komplexität und ein immer differenzierteres Ursachen-Wirkungs-Geflecht. Viele gewinnen die Erkenntnis, dass sie mehr erreichen können, als sie sich jemals vorgestellt hatten, und spüren ihre Verantwortung. Gelingt es ihnen, einen Sinn in ihrem Dasein zu finden, werden sie alle notwendigen Handlungen motiviert und freudig ausführen und ein wirklich lebenswertes Leben führen.
Vielleicht ist euch Platons Höhlengleichnis ein Begriff? Der Philosoph skizzierte es folgendermaßen: In einer Höhle liegen Menschen, die an Händen und Füßen gefesselt sind. Die einzige Lichtquelle ist ein großes Feuer hinter ihren Rücken, für sie daher nicht direkt sichtbar. Zwischen dem Feuer und ihren Rücken werden Gegenstände entlanggetragen, deren Schatten sie an der ihnen zugewandten Wand sehen können. Die Schatten sind alles, was sie von ihrer Welt wahrnehmen. Aus ihrem Erscheinen und Verschwinden leiten die Menschen Theorien über das Dasein ab. Sie empfinden ihre Lage als normal, denn ein anderes Leben und Erleben kennen sie nicht.

Platons Höhlengleichnis
Kupferstich von Jan Saenredam, 1804
Wenn sich nun ein Mensch aus der Höhle befreien und an das Tageslicht gelangen könnte, wäre er erst einmal von der Sonne geblendet und hätte große Mühe, sich in der unvertrauten Welt zurechtzufinden. Nehmen wir einmal an, es gelänge ihm und er kehrte in die Höhle zurück, um seine ehemaligen Gefährten zu befreien: Wie würden diese auf seinen Rettungsversuch und seinen Bericht reagieren? Die Aussicht auf eine radikale Änderung ihrer Lebensbedingungen würde vielen bedrohlich erscheinen. Sie würden ihn wahrscheinlich für wahnsinnig erklären und einsperren wollen. Nur wenige würden das Wagnis auf sich nehmen, ihm an das Tageslicht zu folgen.
Die Beschäftigung mit der Theosophie können wir mit dem Ausbrechen aus der Höhle vergleichen. Wir sehen nicht mehr nur Schatten, sondern erahnen zunehmend auch wirkliche Dinge: die Gegenstände, die die Schatten erzeugen, und das Licht, das die Schatten wirft. Wir kommen nicht umhin, unsere Weltsicht zu überdenken und neu zu ordnen. Erst wenn wir mit uns im Reinen sind, können wir es zu unserer Aufgabe machen, auch anderen die Augen zu öffnen. Doch es wäre zwecklos, dabei missionarisch vorzugehen und unsere Wahrheit anderen aufzudrängen, denn zu einem Umdenken muss jeder erst bereit sein. Es lässt sich nicht erzwingen. Wer nicht Anlass zum Umdenken hat, bricht ungern aus seinen liebgewordenen Denkgewohnheiten aus.
Können Fehler und „Sünden“ tatsächlich ausgelöscht oder getilgt werden?
In der Natur gibt es kein restloses Verschwinden oder Auslöschen. Zu Wasserdampf erhitztes Wasser verschwindet nicht, sondern existiert in einem anderen Zustand weiter. Wenn wir mit dem Auto ein anderes anfahren, entsteht womöglich eine Beule. Der Geschädigte mag uns verzeihen, die Beule aber bleibt und wir oder unsere Versicherung müssen dafür geradestehen und zahlen. Salzkristalle lösen sich in Wasser zwar auf, doch existiert das Salz weiter und kann durch Verdunstung des Wassers zurückgewonnen werden. Ein Leichnam löst sich als Zusammensetzung mit der Zeit tatsächlich auf, jedoch betrifft das nur seine Kohärenz, nicht seine chemischen Bestandteile, die in den Lebenskreislauf zurückkehren.
Der beste Weg, Lebensprozesse zu verstehen, besteht darin, Erkenntnisse aus einem Bereich in einen anderen zu übertragen, also analoge Schlüsse zu ziehen. Wenn schon Stoffe nicht verloren gehen können, wie sollte sich dann unser Denken, Fühlen oder Handeln „in Luft auflösen“, quasi ausradiert werden, als hätte es niemals existiert? Dass dies nicht funktioniert, lässt sich schon daran erkennen, dass in unserer Erinnerung, auch wenn wir in vielen Fällen gern darauf verzichten würden, alle Eindrücke unseres Lebens in vielfältiger Form gespeichert bleiben, ob als Bild, Gefühl, Wort, Ton, Geschmack oder Geruch. Selbst wenn sie erfolgreich verdrängt wurden, können sie durch einen Auslöser wieder in das Wach-Bewusstsein zurückkehren!
Unsere Entwicklung im Leben baut auf Erfahrungen und Erinnerungen auf. Wie könnte ein Kind ohne die Entfaltung des Gelernten innerlich wachsen und zum Erwachsenen heranreifen? Es bliebe ein Kind im Geiste, auch im Körper eines Erwachsenen! Wir wachsen nicht allein physisch, sondern auch emotional, sozial, mental-intellektuell, spirituell-geistig, also auf allen unseren verschiedenen Daseinsebenen. Überall nehmen wir neue Eindrücke oder Stoffe in uns auf und bauen sie in unsere innere Struktur ein. Dieses Bild zeigt, warum weder Fehler noch „Sünden“ ausgelöscht werden können, denn sie werden ebenso durch uns verarbeitet und bauen uns auf wie das Salatblatt, das wir gegessen haben.
Vergebung im christlich-abendländischen Sinne ist schon eine verlockende Vorstellung: Wir haften nicht für falsche oder schädliche Gedanken und Handlungen und müssen ihre Folgen nicht ertragen oder ausbügeln, sondern Jesus-Christus, der Sohn Gottes, nimmt stellvertretend für uns die Schuld und das „Kreuz“ auf sich. Der Karfreitag mit der Kreuzigung gehört daher zu den höchsten christlichen Feiertagen. Auch andere monotheistische Religionen wie das Judentum und der Islam lehren die Vergebung in Verbindung mit Reue, Beichte oder Buße.

Kreuzigung – Befreit sie uns von unseren Sünden?
Darstellung von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1860
Kann aber Vergebung wirklich unsere eigene Schuld auslöschen? Kann göttliche Gnade uns vor den Konsequenzen persönlicher Verfehlungen bewahren? Lässt sich das in der Natur verankerte Gesetz von Ursache und Wirkung außer Kraft setzen? Der theosophische Standpunkt ist klar: Unsere Fehler werden nicht einfach gelöscht oder vergeben. Wir selbst müssen für sie geradestehen und sie wiedergutmachen. Dies ist der Weg, auf dem wir lernen und wachsen.
Kann ich wirklich sicher sein, dass ich wiedergeboren werde?
Suchst du einen unumstößlichen Beweis im wissenschaftlichen Sinn? Oder reicht es dir aus, wenn du selbst die Überzeugung gewinnst, dass die Wiedergeburt (in Kombination mit Karma) die einzige logische Erklärung für deine Erfahrungen und Beobachtungen und die einzige überzeugende Antwort auf viele drängende Lebenssinnfragen liefert? Im letzteren Fall kannst du dir deinen Beweis selbst erarbeiten.
Wenn du das Konzept der Wiedergeburt nicht gleich entrüstet zurückweist, sondern bereit bist, es mit offenen Augen und unvoreingenommenem Verstand zu prüfen, wirst du überall in der Natur ins Auge fallende Zeugnisse einer periodischen Entwicklung entdecken: Auf Geburt, Jugend und Reife folgt unweigerlich Alter und Verfall und damit Tod, doch nach einer winterlichen Ruhepause sprießt das Leben wieder hervor.
Noch viel aufschlussreichere Erkenntnisse kannst du aber gewinnen, wenn du das Konzept der Wiedergeburt mit dem Konzept von Karma verbindest und auf dich selbst anwendest. Wenn du dich unvoreingenommen beobachtest, wird dir vielleicht auffallen, dass du ganz bestimmte Stärken und Schwächen hast. So fällt es dir möglicherweise besonders leicht, abstrakt zu denken oder künstlerisch tätig zu sein oder Bewegungsabläufe wie Tänze oder Kampfsporttechniken einzuüben. Andererseits unterlaufen dir immer wieder bestimmte Fehler oder du wiederholst immer wieder Verhaltensweisen, die dir Probleme bereiten und aus denen du partout nicht lernen willst. Andere haben ganz andere Stärken und Schwächen. Woran kann das liegen?
Wenn du in Erwägung ziehst, dass du schon frühere Leben durchlaufen haben könntest, liegt eine Erklärung sehr nahe: Du kommst schon mit ganz bestimmten Fähigkeiten und Defiziten auf die Welt. Alles, was du als Stärken vorweisen kannst, hast du in vergangenen Leben gelernt. Die Dinge, die dir schwerfallen, sind all die Probleme, die du in vergangenen Leben nicht lösen konntest.
Doch die Wiedergeburt erklärt nicht nur, sie zeigt auch klare Perspektiven auf. In Verbindung mit Karma lässt sie dich erkennen, wie du dein eigenes Leben gestalten kannst. Sie ermöglicht dir, einen Sinn im Leben zu erkennen und dein Leben verantwortungsvoll zu führen.
Je mehr du über die Wiedergeburt nachdenkst, um so mehr Bestätigung wirst du finden. Am Ende wird die Wedergeburt so fest in deinem Denken und deinem Weltbild verankert sein, dass dir jedes andere Konzept als unwahrscheinlich erscheinen wird.
Natürlich ist nicht jeder bereit, sich sofort auf ein solches Lebenskonzept einzulassen. Die Mehrheit der Menschen hält lieber an dem gewohnten Weg fest, ein nicht von Regeln eingeengtes Leben zu führen und nach Möglichkeit eigene Vorteile zu verfolgen und zu sichern. Sie müssen erst noch lernen, wie wichtig es ist, Verantwortung für das eigene Leben und den Umgang mit den Mitmenschen und der Natur zu übernehmen.
Wer aber vertrauensvoll davon ausgeht, dass Wiedergeburt eine Tatsache ist, die so sicher geschieht, wie der Frühling auf den Winter folgt, der wird ernsthaft versuchen, sein Leben entsprechend zu gestalten. In zunehmendem Maße wird er die eigene Verantwortlichkeit realisieren und sein Leben so zu führen versuchen, dass er keine neuen karmischen Schulden aufnimmt. Er wird andere mit Respekt und Achtung behandeln und sein Leben so führen, dass er keine Belastung für die Natur ist. Für ihn erübrigt sich ein Beweis der Wiedergeburt.
Wenn wir uns so verhalten, als sei die Wiedergeburt eine Tatsache, gehen wir keinerlei Risiko ein, denn wenn sich wider Erwarten herausstellen sollte, dass unsere gesamte Existenz mit dem Tod beendet ist, dann haben wir zumindest für dieses Leben etwas Unschätzbares gewonnen: ein schlüssiges Lebenskonzept, das uns die Welt erklären und uns im eigenen Verhalten anleiten kann; ein gesundes Selbstbewusstsein, im Schach gehalten von dem Wissen, dass wir noch unendlich viel zu lernen haben; inneren Frieden und eine wohlwollende Haltung allen Lebewesen gegenüber.
Geschadet hat unser Verhalten niemandem, denn als von der Wiedergeburt Überzeugte waren wir sicherlich verträglichere Zeitgenossen als viele andere Menschen, die ihre eigenen materiellen Vorteile zu sichern versuchen.
Warum spielt in allen Weltreligionen und Lebensphilosophien die rechte Lebensführung und die Ausübung von Tugenden eine so zentrale Rolle?
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Was sind Tugenden? Wozu sind sie gut?

Allegorische Darstellung der vier Kardinaltugenden:
Gerechtigkeit, Stärke, Mäßigkeit und Klugheit
Miniatur von Jean Mansel, 1454
Tugenden sind Eigenschaften und Fähigkeiten, die den harmonischen Grundton in unserem Denken und Handeln stärken. Sie bringen uns einander näher, überwinden selbstbezogenes Denken und schaffen Gemeinsamkeit. Diese Errungenschaften gehen aber wieder verloren, wenn wir sie nicht beständig üben und weiterentwickeln. Das Erreichte bröckelt unaufhaltsam wieder ab und verblasst schließlich wie das Abendrot nach Sonnenuntergang.
Eine weitere Gefahr sind unkontrollierte Emotionen. Wenn wir unbeherrscht aus der Haut fahren, egal aus welchem Grund, senden wir einen Impuls der Disharmonie aus. Dabei gerät auch unsere eigene innere Ordnung ins Wanken, so dass sich alle inneren Gewissheiten, die wir uns mühsam erworben haben, in einem einzigen Augenblick in Fragmente oder Worthülsen auflösen können oder ihren tieferen Sinn für uns verlieren. Das gilt auch, wenn wir meinen, unser Zorn sei „gerecht“ gewesen. Uns bleibt dann nur, unsere Anstrengungen noch einmal von vorn zu beginnen und zu hoffen, dass wir den Faden aufgrund der Übung in der Vergangenheit leichter wieder aufnehmen können.
Heftige Emotionen, ob positiv oder negativ, und jede Form von Leidenschaft wirken wie eine innere Erschütterung oder wie ein „Beben“. Ob Zorn, Eifersucht, Eitelkeit, Neid oder Selbstsucht, tiefgreifende Furcht oder panische Angst, auch unbändige Freude oder ausufernder Spaß, das quälende Brüten über Probleme und Sorgen aller Art: all dies stört die Konzentrationsfähigkeit, bindet und zerstreut Willensenergie und lenkt die Gedanken und die Tatkraft auf unrelevante Themen. Unbeherrschtheit im Gefühlsleben und Unordnung im Denken bringen unweigerlich das klare Bild ins Wanken, das wir uns in stillen, intuitiven Stunden erarbeitet haben. Seine Trümmer begraben den jungen Keim der Intuition unter sich.
Wie können wir Gleichmut erreichen?
Der beste Weg, innere Gemütsruhe zu erringen und zu bewahren, ist die Besinnung auf den Wert der Tugenden und die Suche nach einer Lebensführung, die im Einklang mit ihnen steht. Je weniger wir an das denken, was wir für uns selbst erreichen oder besitzen wollen, desto besser können wir die Nöte anderer Menschen sehen. Wenn wir unsere eigenen Wünsche zurücksetzen, fühlen wir uns nicht mehr aufgestachelt, eigene Positionen und Interessen um alles in der Welt zu verteidigen und zu verfolgen, und innere Ruhe stellt sich ein.
Die innere Gemütsruhe, die sich durch Emotionen und äußere Einwirkungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt, wird auch Gleichmut genannt. Damit sind keineswegs Gleichgültigkeit und Gefühlskälte gemeint, sondern das ruhige Akzeptieren der Dinge, wie sie kommen, mit einem Herzen voller Vertrauen.
Natürlich können wir dieses Ideal nicht von heute auf morgen verwirklichen. Doch je mehr wir es üben und durch Erfahrung wachsen, um so näher werden wir seiner Verwirklichung kommen. Bis dahin werden wir mit Rückschlägen leben müssen, doch es sind nicht die Rückschläge, die zählen, sondern der nie nachlassende Wunsch, es wieder und wieder zu versuchen – bis es gelingt.
Wenn wir über unseren Weg im Zweifel sind, kann es sehr hilfreich sein, dass wir uns erneut grundlegenden Fragen stellen und zu klären versuchen:
Was ist für uns wichtig: materielle Werte oder innere Zufriedenheit und Ruhe? Und wie wollen wir uns verhalten? Wollen wir andere mit Freundlichkeit, Verständnis und Empathie betrachten und uns vor allem mit ihren Stärken befassen, oder wollen wir uns voller Misstrauen und mit kritischer Distanz auf ihre Fehler konzentrieren? Wollen wir uns bemühen, eigene Schwächen abzubauen, oder stattdessen lieber die kleinen Unzulänglichkeiten anderer tadeln und so verstärken? Wollen wir uns in das Chaos anderer Menschen hineinziehen lassen, oder lieber an den eigenen Problemen arbeiten? Die Antworten helfen uns, unseren Lebenskurs auszurichten und beizubehalten.
Langfristig und dauerhaft können wir innere Harmonie nur aufbauen und wahren, wenn wir zudem auch weitere Tugenden üben und fest in unser Denken und Verhalten integrieren: zum Beispiel die zuverlässige Erfüllung der eigenen Pflichten, Übung in Toleranz und Geduld, Aufrichtigkeit und Treue gegenüber einem eigenen Ideal. Die Sammlung ließe sich leicht weiter fortsetzen.
In keinem Fall erreichen wir eine wirkliche Neuorientierung, wenn wir uns nur theoretisch und intellektuell mit dem Nutzen der Tugenden befassen. Doch je beständiger wir sie in unsere Lebenspraxis einfließen lassen, um so mehr werden sie zu einem selbstverständlichen Teil unserer Lebensauffassung und zu einer nahezu automatischen Gewohnheit.
Gibt es einen Wegweiser in meinem Leben, auf den ich mich verlassen kann?
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Gewissen und Intuition
Wir kennen zwei Phänomene, die sich auf verschiedenen Ebenen unseres Wesens als Wegweiser vernehmbar machen:
Gewissen und Intuition.
Das Gewissen ist ein Widerhall von dem, was wir in vergangenen Leben gelernt haben und was jetzt zum Erfahrungsschatz unseres sich wiederverkörpernden oder höheren Egos gehört. Es ist nicht ganz unfehlbar, denn als „Lerndestillat“ gehört es nur zu dem Teil des Weges, auf dem wir uns bisher entwickelt haben, und ist unvollständig, weil noch unzählige Etappen vor uns liegen. Dennoch ist das Gewissen in der Regel ein guter und zuverlässiger Begleiter.
Die Intuition hingegen ist die direkte Stimme unseres inneren spirituellen Bewusstseins und kommt vom höheren Selbst, unserem innersten Bewusstseinskern. Damit ist sie für unsere Begriffe unfehlbar.
Allerdings hat nicht jede im Innern vernehmbare Idee eine spirituelle Quelle, denn auch aus niederen Welten erreichen uns Einflüsse. Oft wird Intuition irrtümlich mit „Bauchgefühl“ gleichgesetzt.
Wie können wir die Stimmen und ihre Herkunft unterscheiden? Wie verhindern wir, dass uns eine innere Empfindung in die Irre führt, weil wir sie für Intuition halten? Was ist der Unterschied zwischen der Stimme der Intuition und dem Bauchgefühl? Die Unterscheidung wird leichter, wenn wir berücksichtigen, was uns die Stimme rät und wie sie auf uns einwirkt.
Niedere Einflüsse sind nicht harmonisch und teilweise zerstörerisch. Sie sind oft sehr fordernd oder anstachelnd, appellieren an unseren Egoismus und verführen uns zu fragwürdigen Methoden, unsere Ziele zu erreichen. Manchmal werden sie so besitzergreifend, dass wir ihnen in blindem Eifer oder maßloser Wut folgen. Sie können uns auch niederdrücken, allen Mut nehmen und uns mit einem Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit überwältigen. Das heißt, sie können uns in Gefahr stürzen und uns schaden.
Höhere Einflüsse haben immer einen harmonischen Klang und sind Balsam für unsere Seele. Niemals sind sie gegen andere gerichtet, weder nachteilig für sie noch schädlich für uns. Sie fordern uns auf, zu handeln, ohne auf den eigenen Nutzen bedacht zu sein. Sie bringen Frieden und innere Ruhe und regen zum Vergessen unserer eigenen Probleme an. Sie flößen uns den Gedanken ein, das Leid anderer im Rahmen unserer persönlichen Möglichkeiten zu lindern und ohne Erwartung einer Gegenleistung zu helfen. Bei solchen Gedanken ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie vom höheren Selbst, von unserer inneren Göttlichkeit stammen. Sie sind Schutzschirm und leuchtender Wegweiser zugleich.
Was ist das Besondere an der theosophischen Sicht der Welt?
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Mit welchen Schlüsselgedanken kann die Theosophie unsere Sicht auf die Welt verändern?
Als ersten Schlüssel vermittelt die Theosophie, dass alle Dinge, Wesen und Welten zusammengesetzt sind und wir nur ihren materiellen Aspekt oder Ausdruck sehen: die Phänomene. Doch die Noumena, die verursachenden Kräfte und Ideen, die hinter diesen Manifestationen stehen, nehmen wir nicht direkt wahr. Aber gerade sie sind für die vielfältigen Interaktionen zwischen den verschiedenen Welten und Wesen verantwortlich, gerade sie erklären die Phänomene, die für uns oft so verwirrend sind. Auf den Menschen angewandt bedeutet dies, dass die uns vertrauten Körper nur die Ausdrucksmittel der wirklichen Menschen sind, ihre Gewänder oder Werkzeuge, während wir selbst das Bewusstseinszentrum oder die Seele sind, die sich in den Körper kleidet.
Mit zunehmendem Vertrautwerden mit den theosophischen Lehren werden wir erkennen, dass alles, was uns umgibt, selbst von Leben erfüllt und durch unveränderliche Gesetze miteinander verbunden ist. Wir können imaginieren, dass die gesamte Welt, in der wir leben, die gesamte Natur, die uns umgibt und umfasst, durch eine gemeinsame Seele, eine Weltseele, zu einem Organismus zusammengefasst ist, der von gemeinsamen Gesetzen geregelt ist, mit einem schlagenden Herz und einer gemeinsamen Essenz.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Erkenntnis, dass alles evolviert oder sich fortentwickelt, aber nicht linear, wie die Biologen es annehmen, sondern zyklisch in immer wiederkehrenden Perioden. Für diese zyklische Evolution gibt es weder Anfang noch Ende. In ihrem Mittelpunkt stehen nicht die Körper der Wesen, sondern ihre Seelen, ihre immateriellen lernenden Eigenschaften oder Kräfte. Auf den Menschen bezogen bedeutet das, dass wir als Denker für begrenzte Zeit Körper annehmen, um die Lektionen zu lernen, die in ihnen möglich sind, uns dann aus ihnen in eine Ruhephase zurückziehen, nur um nach dieser Pause den Lernprozess in einem neuen Körper fortzusetzen.
Erst wenn wir davon ausgehen, dass uns nicht nur eine Lebenszeit zur Verfügung steht, sondern dass wir wieder und wieder in neuen Körpern geboren werden, beginnen wir die vollkommene Gerechtigkeit zu erfassen, die im gesamten Universum herrscht. Ursachen, die sich nicht im aktuellen Leben auswirken können, tragen wir so lange mit uns herum, bis wir eine genau entsprechende Reaktion oder Wirkung erfahren haben.
Die theosophische Sicht auf die Welt kann sich auf unsere Lebensplanung enorm und revolutionär auswirken:
Unsere Lebensperspektive ist nicht mehr auf ein Leben begrenzt. Dennoch zählt jedes Leben. Auch wenn es nur eine kleine Etappe unserer Evolution darstellt, gibt es uns einzigartige Möglichkeiten, spezielle Lektionen zu lernen und unser Denken und unseren Willen zu schulen. Wenn wir bedenken, dass kein Gedanke und keine Tat ohne Folgen bleibt, können wir erkennen, dass wir im Endeffekt unser Schicksal selbst bestimmen. Diese Erkenntnis bereitet den Weg für eine konsequente, zielbewusste Lebensführung, die Energien bündelt und Umwege vermeidet. Der Fortschritt muss sich nicht unbedingt sogleich zeigen, kann aber nicht ausbleiben. Die Früchte unserer Anstrengungen ernten wir spätestens in den folgenden Leben.
Und wohin streben wir? Die Theosophie lässt uns erkennen, dass wir und alle Wesen und Dinge im Universum zusammengehören und uns auf ein großes Ziel zu entwickeln: sämtliche Lektionen in diesem Universum zu lernen und die Seele so weit zu vervollkommnen, dass wir in die nächste Klasse versetzt werden und in einem fortgeschritteneren, geistigeren, höheren Universum leben können. Da das Ziel von allen erreicht werden muss, hilft das heute übliche Konkurrenzverhalten und Vordrängeln nicht. Langfristig kann das große Ziel nur mit Kooperation, gegenseitiger Hilfe, Mitleid und unpersönlicher Liebe erreicht werden.
Können Fehler und „Sünden“ tatsächlich ausgelöscht oder getilgt werden?
… was noch interessieren könnte
Vergebung oder Karma?
Überlieferte Weisheitslehren wie die Theosophie erkennen keine Vergebung der „Sünden“ an, keinen außerhalb der Natur stehenden Gott, der in die Natur eingreift und Fehler eliminiert. Vielmehr verstehen sie das Schicksal des Einzelnen, Karma genannt, als die notwendige Folge seines Denkens und Handelns im gegenwärtigen oder einem früheren Leben. Damit bleibt das Leben vom Grundprinzip her geordnet, gerecht und vom Individuum veränderbar.
Die christliche Lehre beruht jedoch ebenso wie andere bedeutende Religionen im Kern auf alter Weisheit. Auch die Kreuzigung hat dort ihren Ursprung und birgt tatsächlich eine tiefe mystische Bedeutung. Als eine Art Symbolsprache darf sie allerdings nicht nur wortwörtlich aufgefasst werden. Nur das Wortwörtlich-Nehmen hat uns zu der Annahme verführt, dass Sünden nicht unbedingt von uns selbst gesühnt werden müssen, sondern uns von einem außerhalb von uns stehenden Gott abgenommen werden können.

Totengericht und Wiegen der Herzens
Aus der ägyptischen Mythologie kennen wir das Wiegen des Herzens. In der Darstellung werden beim Eintritt ins Jenseits alle Eigenschaften des Verstorbenen, symbolisiert durch das Herz, gegen die Leichtigkeit einer Feder aufgewogen. Das Ergebnis, d. h. das Gesamtgewicht der guten und schlechten Eigenschaften, bestimmt den nachtodlichen Weg der Seele durch die Himmelsräume. Eine Vergebung der Sünden war im alten Ägypten unbekannt.

Ablasshandel im Mittelalter
Es gibt nicht wirklich die Möglichkeit, sich von seinen Fehlern oder Sünden freizukaufen. Zum Menschsein gehören Mut und Charakterstärke, die Bereitschaft, für eigene Fehler geradezustehen sowie Verurteilung, Zurückweisung oder Scheitern zu ertragen. Kein lieber Gott kann uns dies abnehmen. Wie sollen wir anders lernen, uns zu verändern, oder auch nur die Notwendigkeit dafür erkennen? Doch wenn wir mannhaft Last und Leiden ertragen, das eigene Kreuz selbst schultern, finden wir oft unerwartete Hilfe. Das erfahren wir immer wieder.
Wohin willst du als Nächstes?